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Die Muslime in Deutschland wollen künftig vergleichbar den christlichen Kirchen Gefängnis-, Krankenhaus- und Notfallseelsorge betreiben. Bei einer Tagung am Montag in Stuttgart stellten Vertreter dreier islamischer Dachverbände in der Bundesrepublik ihre Pläne vor.

Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD) und des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) teilnehmen. Das Thema heißt "Seelsorge und Sozialarbeit - Dienst am Menschen in einer pluralistischen Gesellschaft".
Der Dialogbeauftragte des VIKZ, Erol Pürlü, kündigte an, man müsse ein Netzwerk schaffen, um auch Muslimen in Notfallsituationen zur Seite stehen zu können. Er forderte eine spezielle Fortbildung für diesen Bereich. Es müssten auch nicht Imame sein, die diese Art der Begleitung machten.
Betreuung für Muslime im Gefängnis Heilbronn
Im Gefängnis von Heilbronn wird die Betreuung von muslimischen Häftlingen bereits angeboten, wie Erdinc Altuntas vom Landesverband der DITIB berichtet. Altuntas sprach sich für die Fortentwicklung von seelsorgerischen Konzepten aus. Vorhandene Einrichtungen würden die Erwartungen der Muslime nicht erfüllen. Altuntas sieht aber auch Probleme in der Umsetzung von entsprechenden Vorhaben, weil der Islam in Deutschland keine anerkannte Religionsgemeinschaft ist.
Multiplikatoren aus den muslimischen Gemeinden
Marfa Heimbach von der Bundeszentrale für politische Bildung betonte, für islamische Notfallseelsorge gebe es ein starkes Interesse sowohl bei den Muslimen als auch bei den Kommunen. An den gerade beendeten ersten Kursen für muslimische Notfallseelsorge in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hätten zusammen 70 Personen teilgenommen. Dabei habe es sich überwiegend um Multiplikatoren aus den muslimischen Gemeinden und nicht um Imame gehandelt, die Hälfte waren Frauen, so Heimbach. Völlig offen und mutmaßlich sehr unterschiedlich sei, wie die Kursteilnehmer in die bestehenden Notfallseelsorgestrukturen der Kirchen integriert werden könnten.
Noch viele offene Fragen
Noch gibt es viele offene Fragen: So ist zu klären, wie Muslime strukturell und juristisch in die Seelsorgesysteme eingebunden, Ausbildungsinhalte festgelegt und Interessenten ausgesucht werden. Bislang gibt es nur ein ehrenamtliches Engagement einzelner Muslime in Krankenhäusern, Gefängnissen und bei Notfällen.
Quelle/Bild: swr.de & vikz.de
http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=6542142/1vr8eaz/index.html |